“Blick jetzt gen Osten richten”
 

“Bunte” wollen Städtepartnerschaft mit Ungarn realisieren

Nachdem während des Jubiläumswochenendes “1000 Jahre Gieboldehausen” erste Kontakte mit Gästen aus der ungarischen Stadt Gardóny geknüpft wurden (ET berichtete), brach nun eine Gieboldehäuser Delegation gen Süd-Osten auf, um die Möglichkeit einer Städtepartnerschaft “auszuloten”.


Gieboldehausen (rah). Wie von Fleckenbürgermeister Norbert Leineweber schon damals angekündigt, war eine mögliche Partnerschaft ein beidseitiger Wunsch. Die Samtgemeinde wäre mit einer solchen Partnerschaft nicht alleine: Auch der Landkreis Göttingen pflegt enge Verbindungen mit dem Komitat Fejer in Ungarn.
Zwölf “Bunte” reisten mit – neben Leineweber der stellvertretende Bürgermeister Otmar Pfeifenbring, Vereinssprecher Klaus-Dieter Grobecker, Kulturausschussvorsitzender Gerhard Nickel junior, Annegret Lange, Partnerschaftsbeauftragte für Schulen und Schüleraustausch, sowie Mitglieder des Fleckenrats. Mit dem örtlichen Busunternehmen Reinhold ging es auf die 1100 Kilometer lange Reise, die alle Teilnehmer selbst bezahlten.
Nach 13 Stunden Fahrt erreichten “die Bunten” das Ziel und wurden vom Bürgermeister Gardonys, Szabó István, und sogar vom ungarischen Regionalfernsehen empfangen.
Ein arbeitsintensives Programm wartete auf alle Beteiligten. So standen am nächsten Tag einige Besichtigungen und Gespräche an, wie der Besuch der dortigen Grundschule und des in eine neue Fassade “gekleidete” Gymnasiums. Schon dort sammelten die Fleckenratsmitglieder nur positive Eindrücke.

Erster Austausch geplant
“Wir waren erstaunt über ein außerordentlich junges Lehrerkollegium”, beschreibt Leineweber einen der vielfältigen Eindrücke. Dass etwa 80 Prozent aller Gymnasiasten Deutsch als erste Fremdsprache wählen, würde beispielsweise einen Schüleraustausch ungemein erleichtern. So ist schon angedacht, im kommenden Herbst den ersten Austausch zwischen der Samtgemeinde und Gardóny auf die Beine zu stellen.
Dem Schulbesuch schloss sich ein Besuch des regionalen Kindergartens an. Dieser ist in Ungarn kostenfrei, allerdings müssen die Eltern für das Essen ihrer Kinder selbst aufkommen – was das Gehalt einer allein erziehenden Mutter mit mehreren Kindern schon mal aufbrauchen kann. “Eine Gymnasiallehrerin verdient gerade 250 Euro pro Monat ”, so Leineweber, “das ist der Grund, warum gerade Frauen neben ihrem Hauptjob bis zu zwei Nebenjobs haben”.
Das Vorzeigeprojekt der Stadt Gardony beeindruckte die “Bunten”: Ein Thermalbad, das momentan für etwa acht Millionen Euro erweitert wird. Das anerkannte Heilbad nutzt die Wärme einer Thermalquelle. Klaus-Dieter Grobecker: “Die Stadtväter versprechen sich dadurch eine infrastrukturelle Sogwirkung.” Zur Entspannung gab es einen Besuch in einer Weinkellerei – inklusive Weinprobe. “Wir wurden schon am ersten Tag förmlich mit Gastfreundschaft überschüttet”, berichten Leineweber und Grobecker.
Am zweiten Tag stand die Besichtigung des Velence Sees an, der mit zehn Kilometern Länge und 2,6 Kilometern Breite eine beachtliche Größe hat. Die Stadt Gardóny liegt am Südufer des Sees. Begeistert waren die Gieboldehäuser von den vielfältigen Möglichkeiten, die sowohl Einheimischen als auch Touristen dort geboten werden. Verschiedene Wassersportschulen, eine Schwimmschule und sogar eine professionelle “Kaderschmiede” für junge Fußballer trugen zu einem weiterhin mehr als positiven Eindruck der vielleicht zukünftigen Partnerstadt bei.

Blick gen Osten richten
“Offiziell” wurde es beim Abendessen: Leineweber würdigte den Anteil Ungarns an der Wiedervereinigung Deutschlands und drückte seine Freude über den kommenden EU-Beitritt aus. Leineweber: “Wir müssen den Blick jetzt gen Osten richten.”
Am nächsten Tag ging es für die Gieboldehäuser Delegation wieder Richtung Heimat – ausschließlich positive Eindrücke mit im Gepäck. Eine Einladung an die Stadtoberen Gardónys wurde ausgesprochen: “Wir sind zuversichtlich, dass uns im September eine Gruppe besuchen wird”, so Leineweber. Der Wunsch nach einer Partnerschaft sei durch den gelungenen Besuch noch gefestigt worden, “ich glaube, dass alle Gremien dem zustimmen werden”.
Dann stünde der Unterschrift unter die Partnerschaftsurkunde laut Leineweber nichts mehr im Wege. “Wichtig sind menschliche Kontakte, mit denen wir einen Beitrag zur Völkerverständigung leisten können.”

 

Entnommen aus dem ET vom 29.04.2004

 

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