Gieboldehausen wird erstmalig am 25. Mai 1003 erwähnt, als König Heinrich II. an diesem Ort eine Urkunde für den Hamburger Erzbischof ausstellte. Zwei vom Stift Gandersheim vorgenommene Besitzbestätigungen für die Kirche St. Laurentius in Gieboldehausen von 1256 und 1324 enthalten eine Gründungssage der Kirche, wonach im 9. oder 10. Jahrhundert ein Graf Biso seine Burg in Gieboldehausen und weitere Besitzungen dem Gandersheimer Stift zur Errichtung einer Kirche überlassen hatte. Aufgrund dieser Sage und der seit dem 14. Jahrhundert urkundlich bezeugten Bedeutung des Ortes als Mittelpunkt eines Amtes läßt sich annehmen, daß es in Gieboldehausen schon im 10. Jahrhundert eine Burg gab, die man sich jedoch nicht zu anspruchsvoll als befestigten Platz vorzustellen hat. Für das Jahr 1291 ist die Zerstörung der Burg in Gieboldehausen durch den Hildesheimer Bischof erwähnt. Im Jahr 1315 werden erstmals Amtleute namentlich genannt; damit ist der Ort als Verwaltungsmittelpunkt auch urkundlich bezeugt.

Zu dieser Zeit gehörte Gieboldehausen zum Territorium der Braunschweiger Herzöge, die das Amt 1342 an den Mainzer Erzbischof verkauften. Der Ort verblieb über 450 Jahre unter Mainzer Herrschaft, kam nach kurzem preußischen und napoleonischen Zwischenspiel durch die 1815 getroffene Neuregelung an Hannover und 1865 schließlich an Preußen. Während dieser Jahrhunderte nahm Gieboldehausen unter den umliegenden Dörfern als Amts- und Gerichtssitz eine besondere Stellung ein, die sich auch darin ausdrückt, daß der Ort seit 1450 in den Quellen als Flecken bezeichnet wird, der mit Markt- und Braugerechtigkeiten ausgestattet war. Der spätestens seit dem 14. Jahrhundert an der Rhume gelegene befestigte Amtshof war von einem Wassergraben umschlossen. Noch heute ist die alte Platzanlage im Ortsbild gut zu erkennen. Zur Sicherung des Amtsortes dienten auch die Burgsitze, von denen sich das heute als Schloss bezeichnete ‘Haus auf dem Wall’ erhalten hat.

Zum Amt Gieboldehausen gehörten die Dörfer Bernshausen, Bodensee, Krebeck, Obernfeld, Rhumspringe, Rollshausen, Rüdershausen, Seeburg und Wollbrandshausen, seit 1525 auch Desingerode, Esplingerode, Germershausen, Seulingen und Werxhausen. Im Jahr 1885 verlor der Flecken seine Bedeutung als Amtssitz an Duderstadt; lediglich das Amtsgericht verblieb bis 1932 in Gieboldehausen. Die alten Strukturen wurden zu neuem Leben erweckt mit der Gründung der Samtgemeinde Gieboldehausen im Jahr 1971, der neun der zum Kernbestand der alten Amtsdörfer zählenden Orte angehören.

Gieboldehausen war in den Kriegen des 17. und 18. Jahrhunderts immer wieder von Einquartierungen, Kontributionen und Plünderungen betroffen, die den wirtschaftlich schwachen Ort noch ärmer machten. Hinzu kamen ständige Hochwasser durch die Lage zwischen Rhume und Hahle sowie große Brände – die schlimmsten in den Jahren 1694, 1712 und 1850 vernichteten ganze Ortsteile. 1850 wurde Gieboldehausen von einer Choleraepidemie heimgesucht, die als eine der schwersten im Deutschen Reich galt. Auch in der Zeit der Industrialisierung blieb der Ort rein landwirtschaftlich geprägt. Jahrhundertelange Erbteilung hatte zur Zerstückelung des Besitzes geführt und veranlaßte nun viele Einwohner, als Wanderarbeiter ein zusätzliches Einkommen in der Fremde zu verdienen. Die Ansiedlung von Gewerbebetrieben erfolgte von wenigen Ausnahmen abgesehen erst seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat sich der Ort – nicht zuletzt dank der als Modellprojekt begonnenen Ortssanierung – von einem rückständigen Dorf zu einer modernen Gemeinde gewandelt. Ein großer Verdienst der Ortssanierung ist es, daß dabei der historische Ortskern trotz gewisser Eingriffe erhalten geblieben ist.

Dr. Sabine Wehking

 

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